Verkehrslärm

Straße, Schiene und Luft im Vergleich

Verkehr macht Lärm. Schallemissionen und die daraus erwachsenden Belastungen sind eine Schattenseite der Mobilität, die uns Autos, Busse, Bahnen und Flugzeuge im täglichen Leben bieten. Diese werden sich auch bei allen Anstrengungen, die Lärmbelastungen zu verringern, nie ganz vermeiden lassen. Umso wichtiger ist es, dass alle Verkehrsträger ihren Beitrag dazu leisten, Mobilität in Zukunft leiser zu gestalten.

Verkehrslärm

Wer sich dem Thema Verkehrslärm nähert, der sollte sich zunächst einmal die Dimension des Problems vor Augen führen: Laut Lärmkartierung des Umweltbundesamtes sind in Deutschland 10,2 Millionen Menschen von Straßenlärm und 6,2 Millionen Menschen von Schienenlärm mit einem durchschnittlichen Schallpegel von mehr als 55 dB(A) betroffen. Fluglärm betrifft 791.000 Menschen.

Noch größer fallen die Unterschiede in den Nachtstunden aus: Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr werden achtundzwanzig Mal mehr Menschen von Straßenlärm und dreiundzwanzig Mal mehr von Schienenlärm gestört als von Fluglärm. Dies ist insofern nicht überraschend, als dass in Deutschland für die Mehrheit der Flughäfen strenge Nachtflugbeschränkungen gelten.

Der Kartierungsumfang wurde für das Jahr 2012 ausgeweitet und bezieht sich nun auf Ballungsräume und die Umgebung von Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen. Im Jahr 2012 werden somit zwei zusätzliche Flughäfen betrachtet.

Betroffene von Verkehrslärm in Deutschland #betroffene-von-verkehrslaerm-in-deutschland

Ergebnisse der Lärmkartierung* des Umweltbundesamtes für die Jahre 2007 und 2012

Die Ergebnisse der Lärmkartierung des Umweltbundesamtes zeigen die Zahl der von Verkehrslärm Betroffenen für die Jahre 2007 und 2012.

Quelle: Umweltbundesamt (UBA) 2016

Fluglärm – ein punktuelles Problem #fluglaerm-ein-punktuelles-problem

Dass deutlich mehr Menschen von Schienen- und von Straßenlärm betroffen sind, lässt sich leicht erklären: Deutschlandweit gibt es ca. 13.000 Kilometer Autobahn. Hinzu kommen Bundes- und Landesstraßen sowie Straßen in den Kommunen. Im Bahnverkehr ist die Situation vergleichbar, insgesamt durchziehen ca. 33.000 Kilometer Gleise die Republik, die Züge halten an etwa 5.700 Bahnstationen. Die Zahl der Flughäfen und Flugplätze ist hingegen überschaubar: Bundesweit starten die Fluggesellschaften von 22 internationalen Verkehrsflughäfen sowie 16 Regionalflughäfen und Flugplätzen.

Fliegen 200 Passagiere in einem Flugzeug von Berlin nach Köln, kommt es im Umfeld beider Flughäfen zu Fluglärm. Transportiert man die gleiche Anzahl von Menschen mit Autos oder mit der Bahn, kommt es zu einer Serie von Lärmereignissen entlang der gesamten Strecke. Dies verdeutlichen auch die Lärmkarten der Bundesländer, zum Beispiel der Region rund um den Flughafen Köln/Bonn:

Lärmausbreitung der Verkehrsträger im Vergleich #laermausbreitung-der-verkehrstraeger-im-vergleich

Straßen- und Schienenlärm mit einem Schallpegel von mehr als 55 dB breiten sich netzartig zwischen den Städten Köln und Bonn aus, während sich Fluglärm mit mehr als 55 dB um den Flughafen Köln/Bonn konzentriert.

Quelle: Ministerium für Umwelt- und Naturschutz NRW | Kartenmaterial: OpenStreetMap.org

Europäische Union fordert Transparenz und Lärmschutzmaßnahmen #europaeische-union-fordert-transparenz-und-laermschutzmassnahmen

Erst seit wenigen Jahren besteht überhaupt die Möglichkeit, die Lärmbelastungen der einzelnen Verkehrsträger direkt miteinander zu vergleichen. Die Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union aus dem Jahr 2002 schreibt vor, dass alle Mitgliedstaaten Lärmbelastungen erfassen und gegebenenfalls Aktionspläne für Lärmschutz aufstellen müssen. Die Daten für die Lärmkartierung werden von der Europäischen Umweltagentur zusammengetragen und im Internet veröffentlicht.

Die EU-Kommission hat einen Zeitplan vorgegeben, bis wann die Lärmwerte an welchen Straßen, Eisenbahntrassen und Flughäfen erfasst werden müssen. In einem ersten Schritt wurden bis Mitte 2007 nur sehr stark befahrene Straßen und Schienenwege aufgenommen. Die Kartierung von weniger stark genutzter Infrastruktur erfolgte für den Straßen- und Schienenverkehr bis Mitte 2012.

Kriterien für die Erstellung von Lärmkarten im Verkehr #kriterien-fuer-die-erstellung-von-laermkarten-im-verkehr

Für die Lärmkartierung 2012 wurden die Kriterien für die Erstellung von Lärmkarten im Straßen-, Schienen- und Luftverkehr gegenüber denen von 2007 erweitert.

Quelle: 34. Bundes-Immissionsschutzverordnung 2006

Beim Luftverkehr wurden schon in der ersten Stufe alle Flughäfen mit mehr als 50.000 Flügen pro Jahr kartiert – und damit auch einige kleinere Flughäfen. Bei der Auswertung der zweiten Stufe zeichnet sich ab, dass sich das Verhältnis zwischen den Verkehrsträgern weiter verschiebt und noch deutlicher wird, dass mehr Menschen von Straßen- und Schienenlärm betroffen sind als von Fluglärm.

In der folgenden Grafik sind Verweise auf die Ergebnisse der Lärmkartierung hinterlegt. Mit einem Klick auf ein Bundesland kommt man jeweils zu einer Webseite mit detaillierten Ergebnissen:

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Tageszeiten werden unterschiedlich gewichtet #tageszeiten-werden-unterschiedlich-gewichtet

Veröffentlicht werden die Ergebnisse der Lärmkartierung für zwei verschiedene Zeiträume. Zum einen wird der Tag-Abend-Nacht-Index LDEN ausgewiesen: Dieser bildet die gesamten 24 Stunden des Tages ab, nimmt jedoch eine Gewichtung der einzelnen Zeiträume vor, da die Menschen je nach Uhrzeit ein unterschiedliches Ruhebedürfnis haben: Lärm in den Abend- und Nachtstunden wird stärker gewichtet als Lärm in Tagesstunden. Denn es macht einen Unterschied, ob die Menschen ein startendes Flugzeug am Nachmittag hören, oder am Abend, wenn andere Umgebungsgeräusche deutlich leiser sind, oder in der Nacht, wenn das Ruhebedürfnis besonders groß ist. Zum anderen wird der Nachtlärmindex LNight ausgewiesen. Hier fließen ausschließlich Lärmimmissionen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ein, er dient der Ermittlung von Lärmbelastungen in den Nachtstunden.

Laut der Lärmkartierung des Umweltbundesamtes sind am Tag deutlich mehr Menschen von Verkehrslärm betroffen als in der Nacht. Zudem variiert die Betroffenheit ‎je nach Verkehrsträger. Der Tag-Abend-Nacht-Index (LDEN), der 70 dB(A) übersteigt, betrifft im Straßenverkehr 785.300, im Schienenverkehr 318.500 und im Luftverkehr 2.700 Menschen. Von einem Nachtlärmindex (LNight) von mehr als 60 dB(A) sind durch Straßenverkehr 967.700 und durch Schienenverkehr 668.000 Menschen betroffen, während dieser Belastung durch Fluglärm nur 800 Menschen ausgesetzt sind.

Betroffene von Verkehrslärm in Deutschland #betroffene-von-verkehrslaerm-in-deutschland-laermkartierung

Ergebnis der Lärmkartierung* des Umweltbundesamtes für das Jahr 2012

Nach der Lärmkartierung des Umweltbundesamtes für 2012 ergeben sich je  nach Verkehrsträger und Tageszeit unterschiedliche Zahlen für die Betroffenen durch Verkehrslärm

Quelle: Umweltbundesamt (2016)

Aktionspläne für mehr Lärmschutz #aktionsplaene-fuer-mehr-laermschutz

Werden bestimmte Werte überschritten, müssen die Kommunen handeln und Lärmaktionspläne aufstellen, die bestimmte Lärmschutzmaßnahmen zur Umsetzung empfehlen. Mehr als die Hälfte aller Deutschen lebt mittlerweile in Städten und Gemeinden, in denen solche Lärmaktionspläne aufgestellt werden.

Die Pläne umfassen ganz konkrete Vorhaben, um die Bevölkerung vor Verkehrslärm und anderem Umgebungslärm zu schützen. Beispiel Hamburg: Mitte 2013 hat der Senat den Lärmaktionsplan für die Hansestadt beschlossen. Auf über 60 Seiten werden Lärmsituation und Maßnahmen in der Hansestadt dargestellt. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt im Bereich Straßenverkehr, da hiervon besonders viele Menschen in der Region betroffen sind. Auch für den Luftverkehr sollen Maßnahmen umgesetzt werden, unter anderem:

  • Einsatz moderner und leiser Flugzeuge
  • Lärmoptimierte Flugverfahren
  • Lärmabhängige Landeentgelte
  • Betrieb einer Lärmschutzhalle für Probeläufe
  • Passiver Schallschutz

Verkehrslärm ist also nicht nur ein Problem, das alle Verkehrsträger gleichermaßen betrifft. Es wird auch europaweit mit konkreten Maßnahmen angegangen, damit die Zahl der Betroffenen von Straßen-, Schienen- und Fluglärm mittel- und langfristig sinkt.

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