Lärm vermeiden

Eine Gemeinschaftsaufgabe

Je weniger der Luftverkehr von sich hören lässt, desto besser. Flugzeug- und Triebwerkshersteller, Fluggesellschaften, Flughäfen und die Deutsche Flugsicherung haben unter maßgeblicher Beteiligung der Wissenschaft Technologien und Verfahren entwickelt, um das Fliegen leiser zu machen. Ihr Engagement trägt erste Früchte – und auch für die kommenden Jahrzehnte haben sich die Partner ehrgeizige Ziele gesteckt.

Lärm vermeiden

Luftverkehr ermöglicht es, große Distanzen in vergleichsweise kurzer Zeit zu überbrücken. Dies erlaubt es den Menschen, so gut wie jeden Teil der Welt zu bereisen, und verbindet Unternehmen und ihre Produkte mit der Weltwirtschaft. Das Mobilitätsbedürfnis der Gesellschaft muss jedoch in Einklang gebracht werden mit dem Ruhe- und Schutzbedürfnis von Menschen, die in der Nähe von Flughäfen leben. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass Luftverkehr in der Vergangenheit stark gewachsen ist und er auch in Zukunft weltweit zunehmen wird. Der wirksamste Ansatz, um Lärm zu vermeiden, ist es, in neue Flugzeugtechnologien zu investieren und die Flugzeuge kontinuierlich zu modernisieren. Hier haben die Ingenieure in den letzten Jahren und Jahrzehnten große Fortschritte gemacht: So sind Flugzeuge der neuesten Generation beim Start um rund 80 Prozent leiser als vor 60 Jahren.

Lärmentwicklung bis heute: Minus 25 dB #laermentwicklung-bis-heute-minus-25-db

Minus 25 dB entspricht einer Lärmreduzierung um rund 80 Prozent

Seit 1960 konnte die Lärmemission von Triebwerken um 25 dB gesenkt werden, was einer Lärmreduzierung um rund 80 Prozent entspricht.

Quelle: CFD-Software E+F GmbH Berlin

Fluglärm an der Quelle zu vermeiden, ist der effektivste, jedoch nicht der einzige Ansatz, um die Belastungen durch Fluglärm zu reduzieren. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wichtigsten Stellschrauben:

  • Wie werden Flugzeuge leiser?
    Moderne Flugzeuge verfügen über deutlich leisere Triebwerke als ihre Vorgängermodelle. Dort haben die Hersteller die größten Fortschritte gemacht. Zudem arbeiten Industrie und Wissenschaft daran, die Schallquellen an der Flugzeugoberfläche, an den Flügeln und am Fahrwerk zu reduzieren. Die Fluggesellschaften wenden Milliardenbeträge dafür auf, laute Flugzeuge durch leisere zu ersetzen und ihre Bestandsflotten nachzurüsten.
  • Welche Chancen bieten neue An- und Abflugverfahren?
    Innovative Flugverfahren können dazu beitragen, dass weniger Lärm an der Quelle entsteht und dass Flugzeuge höher fliegen, wodurch weniger Fluglärm am Boden ankommt. Denn wie viele Menschen wie stark von Fluglärm betroffen sind, hängt unter anderem davon ab, wie Flugzeuge starten und landen, wie viel Schubkraft sie dabei aufwenden und ob dicht besiedelte Ortschaften gezielt umflogen werden können. Die Luftfahrt erprobt solche neuen An- und Abflugverfahren. Dabei sind individuelle, standortspezifische Lösungen notwendig. 
  • Wie können unnötige Flüge vermieden werden?
    Verkehr effizient zu organisieren bedeutet, Passagiere mit möglichst wenigen Flugbewegungen zu transportieren. So arbeiten die Fluggesellschaften kontinuierlich daran, die Auslastung ihrer Flugzeuge zu verbessern. Auch das Zusammenspiel von Drehkreuzflughäfen und Zubringerflughäfen wirkt sich bezogen auf das Gesamtsystem Luftverkehr lärmmindernd aus: Indem die Passagiere an den Drehkreuzen gesammelt werden und von dort aus mit großen Maschinen in die Welt fliegen, wird die absolute Zahl an Flugbewegungen und somit Lärmereignissen reduziert.
  • Wie kann Lärm auf dem Flughafengelände reduziert werden?
    Lärmschutz am Boden ist wichtig, um Flughafenbeschäftigte und Anwohner im unmittelbaren Umfeld zu entlasten. Denn Lärm entsteht auch auf dem Flughafengelände: durch das Rollen der Flugzeuge auf dem Vorfeld, die Stromversorgung mithilfe von Hilfstriebwerken, die zahlreichen Servicefahrzeuge und durch Triebwerksprobeläufe. Eine Reihe von Maßnahmen an den Flughäfen soll dazu beitragen, diese Lärmquellen leiser zu machen.
  • Wie können Anreize für den Einsatz leiser Flugzeuge geschaffen werden?
    Lärmabhängige Flughafenentgelte stellen einen zusätzlichen Anreiz für die Fluggesellschaften dar, moderne und leisere Flugzeuge einzusetzen. Das Prinzip ist einfach: Wer leise Flugzeuge benutzt, zahlt weniger. Wer laute einsetzt, muss tiefer in die Tasche greifen. Die deutschen Flughäfen setzen seit den 1970er Jahren auf solche finanziellen Anreizsysteme und entwickeln diese kontinuierlich weiter.
  • Wie wirken sich Beschränkungen von Betriebszeiten aus?
    Betriebsbeschränkungen an Flughäfen kommen laut Lärmschutzstrategie der UN-Luftfahrtorganisation ICAO nur als letztes Mittel nach Ausschöpfung aller anderen Maßnahmen in Betracht. Denn Nachtflugverbote und starke Einschränkungen am späten Abend und am frühen Morgen blenden mögliche Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft aus. In Deutschland bestehen an fast allen Flughäfen strenge Nachtflugbeschränkungen – an der Mehrzahl der Flughäfen sind Nachtflüge mit wenigen Ausnahmen sogar ganz verboten. Internationale Drehkreuze wie Frankfurt, München und Düsseldorf sind daher in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt. Daraus ergeben sich Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten Deutschlands. Ein schlüssiges Gesamtkonzept dazu, wann wo in Deutschland geflogen werden darf, gibt es bislang nicht.
  • Welche Ergebnisse liefert die Fluglärmforschung?
    Fluglärmforschung ist eine wesentliche Voraussetzung, um eine wirkungsvolle Strategie für die Reduktion von Fluglärm zu erarbeiten. Sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene gibt es eine Reihe von Forschungsprogrammen und -projekten, die sich mit der Zukunft des Fliegens beschäftigen – auch im Hinblick auf die Vermeidung von Fluglärm. Dabei arbeiten Industrie und Wissenschaft eng zusammen.

Engagement der Luftfahrt zeigt Wirkung #engagement-der-luftfahrt-zeigt-wirkung

Die zahlreichen Ansätze, um Fluglärm zu vermeiden und so die Bevölkerung zu entlasten, zeigen Wirkung. Dies belegt eine regelmäßige repräsentative Umfrage des Bundesumweltministeriums, die alle zwei Jahre in der Publikation „Umweltbewusstsein in Deutschland“ veröffentlicht wird. Das Ministerium ermittelt dafür unter anderem, wie stark sich die Deutschen von Fluglärm und anderen Lärmquellen gestört fühlen. Die Auswertung zeigt: Der Anteil derjenigen, die sich von Fluglärm mittelmäßig, stark oder äußerst belästigt fühlen, hat sich von 2006 bis 2014 mehr als halbiert. Ein enormer Erfolg in Anbetracht der Tatsache, dass die Zahl der Flugbewegungen kontinuierlich zugenommen hat und die Bevölkerung durch Neu- und Ausbauprojekte stärker für das Thema Fluglärm sensibilisiert ist.

Ehrgeizige Ziele für die Zukunft des Fliegens #ehrgeizige-ziele-fuer-die-zukunft-des-fliegens

Auch für die Zukunft haben sich Luftfahrt und Politik ehrgeizige Ziele gesetzt. In seiner Luftfahrtstrategie „Flightpath 2050“ formuliert der europäische Luftfahrtforschungsbeirat ACARE das Ziel, bis 2050 den am Boden wahrnehmbaren Lärm der Flugzeuge verglichen mit dem Jahr 2000 um 65 Prozent zu verringern. Nicht nur auf lange Sicht, auch mittelfristig sollen moderne Flugzeuge leiser werden: Bis zum Jahr 2020 sollen neue Maschinen nur noch halb so laut wahrgenommen werden wie zur Jahrtausendwende. Im europäischen Luftfahrtforschungsbeirat sind Politik, Wissenschaft und Luftfahrtindustrie vertreten.

Wo geschieht was?