Fluglärm

Eine öffentliche Diskussion

Die Debatte über Fluglärm und darüber, was Wirtschaft, Wissenschaft und Politik dagegen unternehmen können, ist wichtig. Denn in Zukunft werden voraussichtlich noch mehr Menschen fliegen – privat und beruflich. Und noch mehr Waren werden mit dem Flugzeug transportiert. Dieses Wachstum braucht die Akzeptanz der Bürger: Und die wird es nur geben, wenn alle Beteiligten daran arbeiten, dass der Wunsch nach mehr Mobilität nicht in einen Dauerkonflikt den Menschen gerät, die rund um die Flughäfen wohnen.

Fluglärm

Fluglärm ist ein komplexes Thema – einfache Schlagwörter helfen da nicht weiter. Dennoch erreicht die Debatte gelegentlich selbst einen Geräuschpegel, der es allen Beteiligten schwer macht, einander zuzuhören. Eine Reihe von Fakten fällt in der Diskussion über Fluglärm häufig unter den Tisch. Zielführend kann die Debatte über Fluglärm aber nur sein, wenn sie auf Basis eines soliden Grundlagenwissens geführt wird.

Wer sich genauer über das Thema Fluglärm informieren will, der findet in diesem Kapitel Antworten auf grundlegende Fragen:

  • Was ist eigentlich Lärm?
    Klingt einfach, doch hinter der Frage verbirgt sich ein komplexer physikalischer Sachverhalt mit einer starken subjektiven Komponente. Dies wird deutlich, wenn man sich die Grundlagen der Akustik vor Augen führt.
  • Woher kommt Fluglärm?
    Triebwerke, Flugzeugrumpf, Flügel, Leitwerke und Fahrwerke sind die wesentlichen Lärmquellen im Luftverkehr – wo der Lärm entsteht, unterscheidet sich jedoch von Flugphase zu Flugphase. Auch am Boden kann für die Anrainer des Flughafens störender Lärm entstehen – zum Beispiel durch Triebwerksprobeläufe oder das laufende Hilfstriebwerk.
  • Wie wird Fluglärm gemessen?
    Wer Fluglärm verringern möchte, muss zunächst einmal wissen, wo Schall in welcher Intensität auftritt. Die deutschen Flughäfen verfügen über eine Vielzahl von Geräten zur Messung von Fluglärm. Die Messergebnisse dienen der Information der Öffentlichkeit und machen die Fluglärmbelastung in entsprechend aufbereiteter Form transparent.
  • Wie viele Menschen sind von Lärm betroffen?
    Eine Verkürzung der Verkehrslärmdebatte auf das Thema Fluglärm hilft den von Lärm betroffenen Bürgern nicht. Das zeigt ein Vergleich der Verkehrsträger auf Basis von Daten des Umweltbundesamtes. Danach sind 21mal mehr Menschen von Straßen- und Schienenlärm betroffen als von Fluglärm. Daher sollte man den Lärm von Autos, Zügen und Flugzeugen gemeinsam betrachten, wenn man über Verkehrslärm diskutiert.
  • Wer redet eigentlich mit, wenn es um das Thema Fluglärm geht?
    Die Diskussion über Fluglärm und die daraus erwachsenden Belastungen findet nicht nur in Zeitungen und auf der politischen Bühne statt. Eine zentrale Rolle spielen die Fluglärmkommissionen, die es an jedem Flughafen gibt. Darin haben auch die Vertreter der betroffenen Bürger eine starke Stimme. Hier werden unter anderem Vorschläge zum Schutz vor Fluglärm beraten.

Hörbare Erfolge beim Lärmschutz #hoerbare-erfolge-beim-laermschutz

Alles Reden über Fluglärm nutzt nichts, wenn es am Ende für die Betroffenen nicht leiser wird. Doch ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte zeigt, dass schon viel erreicht wurde: In den vergangenen 60 Jahren haben die Flugzeughersteller allein den Lärm der Triebwerke um 80 Prozent senken können. Auch an anderen Stellen wurden durch Innovationen und Investitionen deutlich hörbare Verbesserungen erreicht.

Moderne Flugzeuge, die in den deutschen Flugzeugflotten Stück für Stück die älteren Modelle ersetzen, sind deutlich leiser als ihre Vorgängermodelle. Sie verursachen Geräusche, die sich auf einer Ebene mit Alltagsgeräuschen wie einem Regenguss auf der Gartenlaube oder dem Lautstärkepegel einer Mensa befinden. Dies zeigt das interaktive Schalllabor im Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach. Dort lassen sich die Lautstärken unterschiedlicher Geräusche miteinander vergleichen. Die Onlineadaption des Moduls zeigt: Spitzenwerte von 90dB(A), die ältere Flugzeuge wie eine Boeing 747-400 noch im Überflug in 400 Metern Höhe verursachen, kommen bei modernen Flugzeugtypen nur noch am Flughafen vor.

Schalllabor #schalllabor

Wie laut ist die Geräuschkulisse, die uns täglich umgibt? Was bedeutet Lärm? Untersuchen und vergleichen Sie in der untenstehenden interaktiven Grafik Schallbeispiele unterschiedlicher Herkunft und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

Die angegebenen Lärmpegel mit der Einheit dB(A) entsprechen der ungefähren Lautstärke, in der die Geräusche in unserer Umgebung normalerweise auftreten. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nur um einen relativen Vergleich der einzelnen Schallbeispiele handelt, denn es kommt darauf an, welchen Lautsprecher Sie nutzen und mit welcher Lautstärke dieser eingestellt ist.

Turbine // geringe Leistung // Abstand 10m
~ 90dB(A)
Güterzug // Vorbeifahrt // Abstand 3m
~ 90dB(A)
Wasserfall // Fluss // Abstand 1m
~ 90dB(A)
Trommler // Proberaum // Abstand 1m
~ 90dB(A)
Applaus // Livekonzert // Abstand 3m
~ 90dB(A)
Helikopter // Überflug // Abstand 20m
~ 80dB(A)
Straße // stark befahren // Abstand 2m
~ 80dB(A)
Hund // Abstand 3m
~ 80dB(A)
Chor // Bühnenraum // Abstand 3m
~ 80dB(A)
Mensa // Abstand 5m
~ 80dB(A)
Flugzeug
(Start)
// 250m seitlich der Startbahn
~ 70dB(A)
Autobahn // normal befahren // Abstand 5m
~ 70dB(A)
Regenguss // Vordach // Abstand 2m
~ 70dB(A)
Flöte // Solo // Abstand 1m
~ 70dB(A)
Biergarten // Saison // Abstand 3m
~ 70dB(A)
Flugzeug (Landung) // 250m seitlich der Landebahn
~ 60dB(A)
Straße // wenig befahren // Abstand 3m
~ 60dB(A)
Bachlauf // im Wald // Abstand 20m
~ 60dB(A)
Radio // leise // Abstand 2m
~ 60dB(A)
Baby // spielend // Abstand 2m
~ 60dB(A)
Flugzeug (Überflug) // Flughöhe 2500m
~ 50dB(A)
Radweg // asphaltiert // Abstand 1m
~ 50dB(A)
Vögel // vor dem Balkon // Abstand 10m
~ 50dB(A)
Radio // sehr leise // Abstand 2m
~ 50dB(A)
Sprache // Abstand 2m
~ 50dB(A)
Quelle: Umwelt- und Nachbarschaftshaus, Kelsterbach
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Quelle: Umwelt- und Nachbarschaftshaus, Kelsterbach
dB(A)

Das Vielbeschwerderphänomen

Trotz der hörbaren Lärmreduzierung steigt die Anzahl der Beschwerden über Fluglärm. Dennoch sinkt zeitgleich die Anzahl der sich beschwerenden Einzelpersonen. Allein am Frankfurter Flughafen sind im Jahr 2016 mehr als 5,5 Millionen Beschwerden eingegangen. Diese stammen jedoch von nur 2.339 Personen. Davon sind drei Personen für Dreiviertel aller Beschwerden verantwortlich. Umgerechnet auf diese sogenannten Vielbeschwerer sind das 1,37 Millionen Beschwerden im Jahr pro Person. Die Erstellung dieser Mengen an Beschwerden kann nur automatisch erfolgen. Um dieser Flut Herr zu werden, entschied sich die Fluglärmkommission, automatisierte von individuellen Beschwerden zu trennen. Auswertungen von Fraport zur massiven Zunahme der Massenbeschwerden über Einzelflüge zeigen, dass ihr Anteil an den insgesamt eingegangenen Fluglärmbeschwerden am Flughafen Frankfurt im Jahr 2016 rund 97% betrug. Dies erschwert die Arbeit der Fluglärmbeauftragten, denn sie müssen versuchen, in all diesen Beschwerden tatsächliche Verstöße zu ermitteln. Ein ähnlicher Trend zeigt sich in Hamburg.

Das "Viel-Beschwerde-Phänomen" am Frankfurter Flughafen #vielbweschwerde-phaenomen

3 Personen verschicken 3/4 der Beschwerden: das geht nur automatisiert

Quelle: Fraport AG

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